Studenten demonstrieren wirkungslos

Am 17. November 1941 führte das "International students council", zum Gedenken an die Studentenproteste 1939 in Prag, den internationalen Studententag ein. medien-mittweida.de wirft einen Blick in die Geschichte.

Proteste gegen überfüllte Hörsäle, Studiengebühren, und vorige Woche zum neuen sächsischen Hochschulgesetz. Die politischen Interessen, für die sich Studenten einsetzen, variierten je nach Zeitgeschehen. So kämpften heute vor 69 Jahren Prager Studenten gegen die nationalsozialistische Besatzung und der damit verbundenen Schließung der tschechischen Universitäten. Zwei Jahre danach, am 17. November 1941, erinnerte das "International students council", der internationale Studentenrat, in london an die demonstration. Dieses Datum steht seither auch für den Weltstudententag. Somit sollen heute alle Studenten die Gelegenheit haben, über derzeitige Problematiken im Hochschul-Alltag nachzudenken und Anstöße zur Verbesserung zu geben.

Die ersten deutschen Hochschulen

Dass ein fortwährendes Bestehen des deutschen Hochschullebens durchaus bedeutend ist, zeigt die Geschichte: Die ersten deutschen Universitäten haben ihren Ursprung in den gegründeten Hochschulen der geistlichen und weltlichen Herrscher im heiligen römischen reich. Dazu zählen vor allem bologna, eingerichtet durch Babarossa in den Jahren 1088 bis 1119, sowie die Karls-Universität in Prag im Jahr 1348 durch Karl den IV. Diese nichtdeutschsprachigen Einrichtungen besuchten auch deutsche Studenten.

In Prag studierten vier Nationen: Polen, Böhmen, Bayern und Sachsen. Damit blickt das deutsche Hochschulleben auf eine Geschichte von bereits rund acht Jahrhunderten zurück. Zu den ältesten deutschsprachigen Universitäten, die bis heute noch bestehen, zählen die Universitäten heidelberg (1386), leipzig (1409), rostock (1419), greifswald (1456) und Tübingen (1477).

existenz stabil – Funktionalität fragil

Auch wenn die existenz der deutschen Universitäten widerstandfähig erscheint, ist sie das heutzutage in politischer und wirtschaftlicher Sicht nicht mehr: Das Thema "Studiengebühren" kam bereits 1976 zur Sprache. Damals boykottierten Studenten das Vorhaben einfach, indem sie sich nicht mehr zurückmeldeten.

Heute sind Studenten zu unsicher, um solche Aktionen zu starten. Wir demonstrieren, diskutieren – aber ohne Erfolg. Der Respekt vor eventuellen Konsequenzen scheint zu groß. Außerdem sind Studiengebühren nicht überall in Deutschland eingeführt. Demnach gehen viele den einfachen Weg und studieren in einem gebührenfreien Bundesland. "Spiegel Online" berichtete am 20. Oktober 2008 von einer Studie, die von Ministerin Anette Schavan (CDU) wochenlang nicht veröffentlicht wurde. Fazit der Studie: Im Jahrgang 2006 hätten 18 000 Abiturienten aufgrund der neu eingeführten Gebühren kein Studium begonnen. medien-mittweida.de analysierte die Studie und sprach mit der sächsichen Wissenschaftsministerin darüber. Näheres in den verlinkten Artikeln.

eLearning statt überfüllte Hörsäle

Ähnlich verhält es sich mit der Problematik der überfüllten Hörsäle. Anstatt mehr Veranstaltungen oder Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, wollen einige Bundesländer auf eLecture setzen, das die Bundeswehruniversität München im Januar 2008 einführte. Damit ist es möglich via Internet mit dem Professor oder Dozenten zu lernen. Jeder ist sicht- und hörbar über eine Webcam und die Vorlesung wird mit einer Power-Point-Präsentation unterstützt.

Dies schafft zwar Platz in den Hörsälen und der Student kann von überall lernen, aber es fördert sicherlich auch Isolation und unrealistische Vorstellungen vom Arbeitsleben. Außerdem setzt es gewisse technische Grundkenntnisse voraus, die nicht jeder Student automatisch mitbringt.

Internationale Bildungseinheit

Dass Deutschland, wenn es schon kein einheitliches Bildungssystem innerhalb seines Landes herstellen kann, gern international gleichgestellt wird, zeigt sich vor allem durch den bologna-Prozess. Bis 2010 sollen alle Studiengänge in Deutschland auf Bachelor und Master umgestellt sein. An sich kein schlechtes Vorhaben. So ergeben sich bessere Übersicht und einfachere Bewerbungsmöglichkeiten europaweit. Nur ungünstig, dass ein Bachelor-Abschluss weniger Wert erzielt als ein Diplom – aber kurioserweise bei der Umstellung denselben Stoff eines Diploms in weniger Zeit vermittelt.

Die Liste der Missstände im Hochschulleben ist lang, umstritten und diskussionsbedürftig. Auch wenn Vieles unüberschaubar erscheint und zu bequemen Ausweichmöglichkeiten verleitet, sollten wir uns wenigstens heute zum Weltstudententag fragen, was wir von unserer Ausbildung und unserem Berufsleben danach erwarten. Gibt es nicht vielleicht doch andere, bessere Möglichkeiten, seine Ziele zu erreichen als sich die Wege so widerstandsfrei wie möglich zu gestalten, nur um nicht in Verteidungshaltung gehen zu müssen?

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Tuesday, November 18, 2008 |

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